Dienstag, 31. Oktober 2017

Die Liebe ist kein Fisch oder doch? Wortspiele im Film „Die Nacht ist kurz, Mädchen lauf“

Nachdem bereits in einem anderen Blogeintrag auf den animierten Kinofilm Masaaki YuasasYoru wa Mijikashi Arukeyo Otome(„Die Nacht ist kurz, Mädchen lauf“) anhand eines Interviews von Tomihiko Morimi, der die Romanvorlage schrieb, hier eingegangen wurde, soll dieser Beitrag nur einen äußerst flüchtigen Blick auf ein paar der sprachlichen Referenzen in diesem Film werfen. 
In einer alternativen Parallelwelt in der es Ozu, Akashi und die namenlose Hauptfigur von „The Tatami Galaxy“ nicht gibt, außer als ein flüchtiger Verweis auf Videoüberwachungsmonitoren, kreuzen sich vom zufälligen Schicksal auserwählt mehrfach die Wege der beiden Hauptfiguren von „Yoru wa Mijikashi Arukeyo Otome“ und entfalten innerhalb eines Tages einen bunten und ansteckenden Reigen an Eindrücken und Erlebnissen, die sodann auf vorbestimmten Geleisen ratatatam* voranschreiten. Neben einigen anderen Anspielungen an Morimis Vorgängerroman, dessen Handlung viereinhalb Fußbodenmatten einnahm, wie etwa Johnny oder Kaori, und einigen autoreflexiven Bezügen – am Stand einer Schießbude und als flatterndes Buch im Wind, sind es hauptsächlich die Wortspiele der ursprünglichen Romanvorlage, die hier im Gesagten oder Verbildlichten dem Publikum offeriert werden, die den wirklichen Witz, ja hierdurch den Charme, des Films ausmachen. Der Film wirkt daher als würde man den freundschaftlichen Schlag einer Katze abbekommen, der einen mit dem Gefühl zurücklässt, dass das eigene Innere aus Zuckerwatte sei.
Der Gleichklang von Wind (/kaze) und Erkältung (風邪/kaze) oder Karpfen (/koi) und Liebe (/koi) im Japanischen führt zu fantasievollen und einzigartigen visuellen Allegorien, die an dramatischen Stellen des Werks eine humoristische Distanz schaffen, die es erst ermöglicht, dass jener Film weitaus mehr als nur eine einfache Liebesgeschichte ist. 
An vom Himmel stützenden Karpfen (/koi) wird die japanische Bezeichnung sich verlieben (in Liebe fallen/恋に落ちる/koiniochiru) in amüsanterweise in einer Szene im Film in ihrer doppelten Bedeutung eingefangen. Die Redewendung: „Die Zeit vergeht wie im Flug“ im Japanischen: „Die Zeit fliegt wie ein Pfeil dahin“ (光陰矢の如し/kouinyanogotoshi) wird hier an sich schnell drehenden Zeigern ins Bild gesetzt und trägt schließlich ihren Teil zum Ausgang und der Auflösung des Films bei. Was das Motiv des Apfels angeht, der nicht nur Newton auf den Kopf gefallen sein soll und der all so gern auch als lust- oder sündhaftes Objekt der Begierde gilt, fällt denn auch die äußerliche Ähnlichkeit mit Daruma auf, die Beurteilung inwieweit dies für das Drama des Film spricht, sei jedem beim Sehen selbst überlassen. 

* gemeint ist hier Peter Nickls und Binette Schroeders Bilderbuch "Ratatatam. Die seltsame Geschichte einer kleinen Lok"

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