Dienstag, 5. Mai 2015

Bildende Kunst: Die Malerei Hoca Ali Rızas


Bildende Kunst:
Die Malerei Hoca Ali Rızas 
Der osmanische Landschaftsmaler Hoca Ali Rıza wurde 1858 im Istanbuler Stadtteil Üsküdar, als Sohn von Üsküdarlı Mehmet Rüştü Efendi, der für seine kalligraphischen Arbeiten bekannt war, geboren.


Im Alter von zwanzig Jahren, 1878, in dem Jahr, in dem sein Vater starb, trat Ali Rıza in die Militärakademie Harbiye ein. Dort stellte er gemeinsam mit sechs Freunden einen Antrag beim Minister für militärische Erziehung und Ausbildung, in welchem sie sich für die Einführung einer künstlerischen Erziehung als ein Unterrichtsfach der militärischen Ausbildung aussprachen. Einige Bilder, die im Rahmen des daraufhin eingerichteten Unterrichts entstanden, wurden von Sultan Abdülhamid II prämiert.
Über die künstlerische Erziehung und ihre Vermittlung sagte Ali Rıza: „Das Ziel des Kunstunterrichts ist nicht, Maler heranzuziehen, es ist die Erziehung zum intelligenten, empfindsamen und willensstarken Menschen durch die Schulung der Hände, der Beobachtungsgabe und der Phantasie.“




Hoca Ali Rızas mobiler Malkoffer in drei Stadien.


Anno 1884 beendete Ali Rıza im Rang eines Zweiten Leutnants die Militärakademie. Dann arbeitete er als Kunsterzieher und als künstlerischer Leiter der Druckerei Harbiye. Er erteilte Kunstunterricht im staatlichen Waisenhaus.
In den ersten Jahren der konstitutionellen Monarchie, ab 1908, war er Vorsitzender des neu gegründeten Osmanischen Malervereins und gab, zusammen mit Osman Asaf, die Zeitschrift des Vereins heraus. Zwei Jahre später sah sich Hoca Ali Rıza aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, im Rang eines Oberstleutnants, um seine Pensionierung zu bitten. Er wandte sich sodann ganz der Malerei zu, unterrichtete aber weiter an der Berufsakademie für Mädchen in Üsküdar, am traditionsreichen Mädchengymnasium in Çamlıca und anderen Schulen. Inzwischen war er bekannt als Hoca Ali Rıza. Der Namenszusatz Hoca bedeutet so viel wie Lehrer oder Meister.
Über sein eigenes Schaffen sagte er: „Obwohl ich auch an anderen Genres, die die Malkunst ausmachen, meinen Anteil habe, ist mein Beruf die Landschaftsmalerei. Mein größtes Glück besteht darin, die osmanischen Häuser, die unter dem lieben Himmel meiner Heimat, auf smaragdgrünen Wiesen dahingestreckt liegen, die von einer tiefverwurzelten und  zugleich weltoffenen Lebensart erzählen, die Stadtteile, die Landschaften, die  Wäldchen, die wertvollen und historischen Werke davor zu bewahren, zu sterben und vergessen zu werden; und die vielen Skizzen, Bleistiftzeichnungen, Aquarelle und Ölbilder, die ich mit dieser Absicht gemacht habe, sind mein Vermächtnis.“

 Seine Schüler sollen über ihn gesagt haben:

„Wenn man ihm beim Zeichnen und Malen zuschaute, war es so, als wäre das Bild schon da, und er würde es nur geschwind nachfahren  oder mit  der zarten Bleistiftspitze einen dünnen, uns unsichtbaren Vorhang Stück für Stück  anheben.“

„Er mischte seine Farben selbst, bestrich damit ein Blatt Papier, deckte eine Hälfte ab und legte es für eine Woche oder so in die Sonne. Nur wenn anschließend kein Unterschied festzustellen war, benutzte er die Farbe. Sonst gab er sie seinen Anfängerschülern und sagte ‚Damit kannst Du üben, den Pinsel zu führen – aber pass auf, sie  verblasst schnell‘. “


Im Jahr 1928 wurden in einer Ausstellung in Paris, die von Celal Esat Arseven organisiert wurde, einige Bilder von ihm ausgestellt. Zwei Jahre später starb er in Üsküdar . Bestattet wurde er in Karacaahmet. 1938, acht Jahre nach seinem Tod, fand die erste Sammelausstellung seiner Bilder statt und zwar im Kulturhaus „Eminönü“ in Istanbul. Hoca Ali Rıza hatte einen Sohn und drei Töchter. Seine Bilder sind einerseits, auch wenn sie von ihm nicht so vorgesehen waren, Dokumente einer verlorenen Welt, des spätosmanischen Istanbul mit seiner Umgebung; andererseits ist er nachweislich der erste türkische Künstler, der keine im Atelier arrangierten Bilder malte, sondern die Welt um sich, so wie sie für ihn war und wie er sie liebte, von großen Landschaftsansichten bis zu kleinen Alltagsgegenständen festhielt, weshalb man ihn auch den „Maler des Bosporus“ nennt.


Anekdotisches: 
Hoca Ali Rıza
Es war Hoca Ali Rıza sehr wichtig, die Gefühle anderer nicht zu verletzen. So sagte man einem Dienstmädchen, das entlassen werden sollte, die Familie würde in eine kleinere Wohnung umziehen und hätte keinen Platz für alle Dienstboten. Tatsächlich fuhr in den nächsten Tagen ein Möbelwagen vor, alles wurde verpackt und aufgeladen, der Wagen fuhr ab. Das Mädchen wurde reich beschenkt zu ihren Eltern auf das Land geschickt. Danach kam der Möbelwagen zurück, man lud ab und die Familie richtete sich wieder ein. Dieser Wesenszug kam nicht nur Menschen gegenüber zur Geltung. Einmal wollte er sich in ein Holzhaus einmieten. Man sagte ihm, das Haus hätte Mäuse, er würde dort keine Ruhe finden, und auch seine Arbeitsmaterialien wären vor den Tieren nicht sicher. Er zog trotzdem ein. Nach ein paar Monaten – er  war nicht ausgezogen und hatte sich auch nicht beschwert – fragte man ihn, ob die Mäuse nachts nicht  herumliefen. Er antwortete „Warum sollten sie? Ich stelle ihnen immer zu essen und zu trinken hin; sie sind zufrieden, ich bin zufrieden – wir kommen sehr gut miteinander aus.“ 

Hoca Ali Rızas Einquadrierungshilfe, selbst gebaut (Glas vom Optiker).
 Verfasst von Aysen E. und picti mundi.

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