Dienstag, 16. Dezember 2014

Bildende Kunst:
Eine kleine Winterpause
Dieser Blog erscheint erst nach Weihnachten also im Jahr 2015 wieder, er macht somit eine vierwöchige Pause und der nächste Beitrag wird am 13. Januar zu lesen sein. Ab dann werden alle zwei Wochen dienstags neue Blogeinträge erscheinen. "picti mundi - gezeichnete und gemalte Welten" bedankt sich bei allen Lesern und wünscht bis dorthin allerseits alles Gute. 

In diesem Beitrag sollen Sie einigen gemalten Winterimpressionen überantwortet werden. 
 
Das mit Öl auf Leinwand gefertigte Gemälde von Caspar David Friedrichs (1774-1840) "Frühschnee" ist etwa um das Jahr 1828 herum entstanden
Das Werk Vincent van Goghs (1853-1890) "Hinterhöfe in Antwerpen im Schnee", welches gleichfalls mit Öl gemalt ist, wurde im Jahre 1885 auf die Leinwand gebracht.
"Heimkehr der Jäger" - oder auch als "Die Jäger im Schnee" bezeichnet - von Pieter Bruegel dem Älteren (1525/1530-1569) aus dem Jahre 1565 wurde mit Öl auf Eichenholz gemalt und gilt als erstes europäisches Großgemälde (117 auf 162 cm), in welchem Schnee eine wesentliche Bedeutung zu kommt. 

Die Karikatur Honoré Daumiers (1808-1879) "Die Krinoline bei Schnee. Schöne Frau soll ich sie mit dem Besen abputzen", bei der es sich um eine Lithografie handelt, ist im Jahre 1858 gedruckt worden.
Die Lithografie von Théophile-Alexandre Steinlens (1859-1923) "Winter" wurde im Jahre 1901 in der humoristischen Zeitungen "L'assiette au beurre" abgedruckt. Steinlens bekanntestes Werk ist wohl das von ihm geschaffene Plakat aus dem Jahre 1896 für das Pariser Kabarett "Le Chat Noir" in Montmartre.
Childe Hassams (1859-1935) impressionistisches Gemälde "Fifth Avenue im Winter" aus dem Jahre 1890 ist ebenfalls mit Öl auf Leinwand gefertigt worden und neben seinem etwa aus dem Jahr 1900 stammenden Werk "Late Afternoon, New York, Winter" eines seiner Bilder, die sich über das Motiv des Winters mit der bildnerischen Darstellung von Schnee befassen. 
Und schließlich die farbigen Holzschnitte von Utagawa Hiroshige (1797-1858) aus seiner Serie "Dreiundfünfzig Stationen der Tokaido-Straße" zum einen der Holzschnitt "Station Kambara, Schnee am Abend" aus den Jahren 1833 und 1834 stammend und zum anderen der Holzschnitt "Station Numazu, Aussicht auf den verschneiten Fuji-Berg vom Ashigarayama-Berg" aus dem Jahre 1855.
Station Kambara, Schnee am Abend

Station Numazu, Aussicht auf den verschneiten Fuji-Berg vom Ashigarayama-Berg

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Bilderquelle: http://www.zeno.org - Contumax GmbH und Co. KG

Dienstag, 9. Dezember 2014

bande dessinée: 
Émile Bravos "Pauls fantastische Abenteuer" und die Ebene hinter einem Comic
Nachdem sich Émile Bravo mit seinen Comics auch in Deutschland einen Namen gemacht hat, veröffentlicht Carlsen Comics nun eines seiner frühen Werke „Pauls fantastische Abenteuer“ (Une épatante aventure de Jules).

© Carlsen Verlag
Zu Comics, die zu Bravos heutiger Bekanntschaft beigetragen haben, zählen vor allem „Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen“ („Ma maman est en Amérique, elle a rencontré Buffalo Bill“, 2007) und sein Beitrag zum „Spirou“-Magazin „Porträt eines Helden als junger Tor“ („Une aventure de Spirou et Fantasio: Le Journal d‘un ingénu“, 2008). 
Für die sechsteilige Comicserie „Pauls fantastische Abenteuer“, die zwischen 1999 und 2011 erschien, wurde Bravo 2002 mit dem René-Goscinny-Preis ausgezeichnet, der den besten Szenarist eines Jahres würdigt und während des Festival International de la Bande Dessinée d‘Angoulême von einer Jury vergeben wird. Bravo, der sich mit seinen Zeichnung gezielt auch an ein jüngeres Publikum wendet, legt mit diesem Comic eine Geschichte vor, in der ganz gewöhnliche Kinder überraschend immer wieder in verblüffende Geschehnisse verwickelt werden. 
© Carlsen Verlag
Die Protagonisten dieses Comics, das Mädchen Janet und der zwölfjährige Junge Paul, reisen innerhalb der ersten drei von Bravo geschaffenen Geschichten zu einem fernen Planeten und durch die Zeit, sie vereiteln mehrfach die Machenschaften eines "verrückten Wissenschaftlers" und werden bei einer Exkursion in einer Höhle verschüttet. 
Émile Bravo, der sich bei dem von ihm erzählten Stoff durchaus freudig an bestehenden Klischees bediente, tut dies auf eine Weise, dass die Klischees zwar weiterhin als solche fortbestehen, doch aus unerwartbaren Gegebenheiten innerhalb des Comics erwachsen. Dieses gezielte Spiel Bravos mit Vorurteilen, altbekannten Handlungsmustern sowie herkömmlichen Erzählstrategien führt bei seinem Werk „Pauls fantastische Abenteuer“ dazu, dass innerhalb der Handlung eine Verhaltens- und Gesellschaftskritik mit verschiedensten Aspekten gegeben ist, die gerade dort äußerst erhellend ist, wo sie die gewohnten Erzählweisen aufzeigt und vorführt. 

Die Kolorierung dieser Comicserie ändert sich von der ersten zur zweiten Ausgabe. Im ersten Band (Walter) sind es bunte und strahlende Farben, die die Panels ausfüllen, die in ihrer Art an Superheldengeschichten denken lassen, während im zweiten Band (Delphine Chedru) mattere und gesetztere Farbtöne vorherrschen, was diese Kolorierung realer wirken lässt. Delphine Chedrus Art der Farbgebung sollte auch im Folgenden in den Werken Émile Bravos Verwendung finden und wie die eher klein gehaltenen Panels zu einem der Markenzeichen von Bravos Comicheften werden. 

Während die Namensangabe des jeweiligen Koloristen zwar nicht auf dem Cover, jedoch auf dem Titelblatt vorhanden ist, wird der jeweilige Übersetzer lediglich im Impressum der Hefte genannt. Hierbei stellt dieser Comic allerdings keine Abweichung von der Norm dar, vielmehr ist dies die gängige Praxis in der Comicbranche. Dies liegt sicherlich an der Stellung, die Übersetzer und Übersetzungen allgemein im Vergleich zum Originalwerk in unserem Kulturraum einnehmen, denn die Übersetzung und somit auch der Übersetzer sollen hinter den ursprünglichen Text und dessen Autor zurücktreten, doch muss bei einem solchen Vorgehen auch immer bedacht werden, dass eine Übersetzung lediglich eine der möglichen Interpretationen der Originialsprache abbilden kann. Ebendieser Sachverhalt tut sich in der Übertragung von einzelnen Spezial- oder eigens vom Autoren geschaffenen Begriffen, aber auch an der im Comic entwickelten Formsprache und Bildsymbolik am besten kund. Dass die Übersetzer nur im Impressum aufgeführt sind, bedingt, dass des Öfteren nicht an sie gedacht wird. Der Einfluss von Übersetzern ist jedoch gerade an Stellen elementar, an denen eine Entscheidung bezüglich einer Anpassung in die zu übersetzende Sprache nötig ist. Durch ihre Wahl können Bedeutungsverengungen oder -erweiterungen herbeigeführt werden. Auch für Émile Bravos „Pauls fantastische Abenteuer“ ist ein Blick auf den Übersetzer zumindest interessant, denn dieser ändert sich ebenfalls mit dem zweiten Band. Im ersten Band stammen die Übersetzungen von Christian Gasser und in den nachfolgenden Bänden von Ulrich Pröfrock. Die Herstellung (Derya Yildirim) und das Lettering (Björn Liebchen) bleiben hingegen unverändert.
© Carlsen Verlag
Zudem verwundert es, dass der Protagonist dieser Comicbände im Deutschen Paul und nicht – wie im Original – Julius (Jules) heißt, da der Name Julius in Deutschland doch nicht ganz unbekannt ist. Solche Namensänderungen, die wohl durchgeführt werden, um dem Absatz des Comics auf dem deutschen Markt zu helfen, sind nicht unüblich, wurden in jüngerer Zeit aber immer seltener. Die prominentesten Umbenennungsfälle wären wohl Tim (Tintin) aus „Tim und Struppi“ („Les aventures de Tintin“), Miraculix (Panoramix) aus Asterix oder JoJo (Gaston Lagaffe), bei dem die Änderung jedoch nur in Rolf Kaukas zweiwöchig erscheinendem Primo-Magazin in den 1980er Jahren stattfand. In letzterem Fall wurde bei neuerlicher Veröffentlichung der Geschichten vom Carlsen Verlag der eigentliche Name des Protagonisten beibehalten. Bei der Änderung von Figurennamen stellt sich zwangsläufig immer auch die Frage der Motivation dieser Veränderung, vor allem da die Vergleichbarkeit mit der ursprünglichen Fassung via Internet so leicht wie niemals zuvor ist. Es soll hier keinesfalls der Eindruck entstehen, dass wechselnde Übersetzer oder Anpassungen an eine andere Sprache schlecht seien, hiervon kann keine Rede sein, allerdings nur dann, wenn Verweise und Wortspiele des eigentlichen Autors oder der übersetzenden Vorgänger mit in die eigene Übertragung fließen, sodass der Leser eine gewisse Kontinuität, wenn sie im Originalwerk vorhanden ist, auch in der Übertragung erkennen kann. Neben den bereits benannten Personen, die für den Produktionsprozess eines Comics erforderlich sind, spielen weitere nicht genannte eine wichtige Rolle. Für den Inhalt mit am ausschlaggebendsten dürfte der Lektor sein und dies schon bei der Entstehung der jeweiligen gezeichneten Geschichte. Die Bedeutung, die dem Lektor zu kommt, ist leicht ersichtlich, wenn man beispielsweise Ute Schneiders 2005 veröffentlichtes Buch "Der unsichtbare Zweite - Die Berufsgeschichte des Lektors im literarischen Verlag" als Referenz heranzieht und berücksichtigt, welchen Einfluss Lektoren mitunter auf die von ihnen betreuten Schriftsteller hatten.

Anhand all dieser in die Produktion einbezogenen Personen und unter Berücksichtigung der Verkaufszahlen mancher Werke ist es nicht verwunderlich, dass manche Comicserien nicht im Ganzen übersetzt, sondern während ihrer Publikation abgebrochen werden (müssen). Dass die Leser dieser beendeten Serien mit ihrer Einstellung unzufrieden sind, liegt hierbei auf der Hand. Aus dieser Frustration heraus, so zumindest die eigene Darstellung, entwickelte sich seit 2007 ein Comicverlag für das Wiedererstehen eingestellter Serien, der Verlag Finix Comics. Finix Comics ist ein Verein, der sich mit seinen momentan etwa 160 Mitgliedern um eine Realisierung der nicht übersetzten, noch fehlenden Bände einer abgebrochenen (frankobelgischen) Comicserie bemüht. Im April 2008 begann der Verein über den gegründeten gleichnamigen Verlag in Comicreihen fehlende Bände zu veröffentlichen. Hierdurch und durch den Vertrieb neuer Werke, die bisher nicht in deutscher Übersetzung erschienen waren, es aber laut diesem Verein und seinen Mitgliedern wert seien, versucht Finix Comics vorhandene Lücken des deutschsprachigen Comicmarktes zu schließen. 
Im Namen der Comicleser kann man nur hoffen, dass dies auch weiterhin geschehen kann, und dass mehr Frühwerke oder einzelne kurze Comics in Sammelbänden, die sonst der Leserschaft nicht unbedingt zugänglich wären, herausgebracht werden.



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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder entstammen dem vom Carlsen Verlag der Presse zur Verfügung gestellten Material.

Dienstag, 2. Dezember 2014

comicbook:  
Der Geburtstag des dunklen Ritters
Im Gegensatz zu Superman, dem ersten "klassischen" amerikanischen Superhelden, wies der zweite als solche betitelter Kämpfer für das Recht in seinen gezeichneten Abenteuern keinerlei übernatürliche Fähigkeiten auf. Batman, von dem hier die Rede ist, stattdessen gelingt es, sich mittels seines Spürsinn, viel körperlichem Einsatz und teuren technischen Apparaturen für das von ihm derart verstandene Gute einzusetzen. 
Meyers Großes Konversations-Lexikon (1906).
Zwischen ebendiesen zwei Polen, welche die beiden ersten amerikanischen Comicsuperhelden in ihrer Konzeption mit sich brachten, sollten sich künftig auch die nachfolgenden Generationen von Comichefthelden ausrichten; zwischen Superkraft und menschlich Möglichem. 
Als Symbol seines Superhelden-Alter Ego wählt der fiktive Milliardär Bruce Wayne die Fledermaus, da er annahm, dass dieses Geschöpf der Nacht den Kriminellen Furcht bereiten würden und wurde hierdurch und durch eine Maske und ein Cape zu Batman; musste sich sodann aber nicht nur mit Gaunern und Dieben, sondern ebenfalls mit ganz anderen Gegenern herumschlagen. Bruce Wayne widmete deshalb sein restliches Leben dem Vereiteln von Verbrechen, da seine Eltern bei einem Raubüberfall erschossen worden waren und das Kleinkind, welches er damals gewesen war, dies hilflos mitansehen musste und nichts für sie hatte tun können. 
Der erste Superschurke der amerikanischen Comicmagazine entstand ein Jahr nach der erstmaligen Veröffentlichung einer Batmangeschichte im Umfeld des dunklen Ritters und sollte ihm als mordender, teilweise sehr verschrobener Rivale entgegenstehen. Dieser älteste Gegenspieler des maskierten Rächers ist der Joker. Im selben Jahr (1940), in der "Detective Comics" Ausgabe 38, wurde Dick Grayson im Kostüm und unter dem Namen Robin zu Batmans erstem Verbündeten, sodass der Streiter für das Recht ab diesem Zeitpunkt nicht mehr alleine fungieren musste. Zudem erschloss der Sidekick Robin jüngeren Lesern einen weiteren identivikatorischen Zugang in die Welt der Comichelden, was dazu führte, dass Nebenrollenfiguren nach und nach in viele andere Comicgeschichten aufgenommen wurden.

Am 29. November 2014 fand anlässlich des 75-jährigen Bestehens des von Bob Kane (eigent. Robert Kahn, 1916-1998) und  Bill Finger (1914-1974) geschaffenen Fledermausmanns der vom Panini Verlag und manchen Comicbuchhändlern veranstalte "Batman-Tag" statt.
Für den "Batman-Tag" stellte Panini ein Gratiscomicheft mit dem Titel "75 Jahre Batman", eine für den jeweiligen Verkäufer individualiserte Variante der neuen Serie "Batman Eternal", die für fünf Euro zu erwerben war gegebenenfalls noch ist, und unterschiedliche Batmanmasken aus Pappe den Interessierten zur Verfügung. Eine Liste der teilnehmenden Geschäfte und des für diese Veranstaltung werbenden Plakats ist über der Homepage des Verlages einsehbar.

© Panini / picti mundi
Das Gratiscomicheft enthält eine bisher unveröffentlichte Batmangeschichte des Autors Gregg Hurwitz und des Zeichners Neal Adams, einen erneuten Abdruck des ersten Auftritts des Fledermausmannes im Jahre 1939, in der 27. Ausgabe des Comicmagazins "Detective Comics", und unter anderem eine Chronologie von Ereignissen, die in den vergangenen 75 Jahren für die Comicserie und die Figur Batman wichtig gewesen waren, wie etwa das 1940 in "Batman 4" zum ersten Mal der Name der Stadt mit "Gotham City" fiel, dass der Pinguin 1941 und der Riddler 1948 debütierten, wie Informationen zu den Verfilmungen und vieles weitere. 
Die erste Ausgabe des Batmanablegers "Batman Eternal" erscheint im Programm von Panini regulär erst ab Januar 2015 und ist somit in seiner Spezialedition schon gut einen Monat früher erhältlich. Diese individualisierte und demnach jeweils limitierte Ausgabe erscheint mit einem Auftrug des sie vertreibenden Comichändlers auf Vorder- und Rückseite. Diese Batmangeschichte beginnt mit der Ankunft von Jason Bard aus Detroit in Gotham City, der seinen neuen Job als Lieutenant der Nachtschicht bei der Polizei Gothams antritt und als erste Amtshandlung Commissioner James (Jim) Gordan, der in einen Unfall der Ubahn mit Toten und Verletzten verwickelt ist, verhaften muss. Doch hinter diesem Vorfall scheint ein Plan zu stecken, der nichts Gutverheißendes verspricht. "Batman Eternal" ist hauptsächlich von Scott Snyder und James Tynion IV geschrieben, die Zeichnungen stammen von Jason Fabok, die Kolorierung von Brad Anderson und die Übersetzung, die der Paniniausgabe zugrunde liegt ist von Brad Anderson.
© Warner Bros. Pictures, Legendary Pictures, DC Comics
Bei dreizehn Fernsehserien und weit mehr als zwanzig Kinofilmen ist Batman und seine Welt gegenwärtig so präsent, wie es sonst nur wenige andere Comichelden mit ihren Geschichten sind. Das beste Beispiel hierfür sind die von Christopher Nolan (1970-) produzierten Batmanfilme, namentlich der 2008 erschienene Kinofilm "The Dark Knight" mit Christian Bale (1974-) in der Rolle des Batman alias Bruce Wayne und Heath Ledger (1979-2008) in der Rolle des Jokers, der - unter anderem auch aufgrund des Todes von Ledger - eine äußerst breite Aufmerksamkeit erfuhr.

 
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