Vor etwa drei, vier Jahren, dachte ich, dass ich ein
YouTuber wäre - doch jetzt nicht mehr. Alles, was mit der Videoproduktion zu
tun hatte, habe ich verbannt. Seit dem Endlichkeitsvideo gibt es keine neuen
Videos mehr. Und das hier? Das hier ist kein Video! Das hier, das ist eine
Zumutung, eine Unerträglichkeit, eine Aneinanderreihung von geschmacklosen
Silben. Das hier ist kein Video im Verständnis einer Videoplattform. Das hier ist
ein halbverdauter Wortbrei, schmerzhaft hochgewürgt und im Restrausch wieder
ausgespien. Ich kämpfe nicht mehr gegen die Selbstzweifel an, ... Das
hier ist die Lust am Sein und die Ohnmacht des Werdens. Ein Versuch das
Schlechte zu ertragen und im feuchten Traum der Pubertät der Faszination des
Bösen zu verfallen. Homme libre, toujours tu chériras la mer ! (Auf immer, freier Mensch, wirst lieben du
das Meer,) Ein Versuch nach einer Bedeutung zu suchen, in einer
bedeutungslosen Welt. La mer est ton miroir ; tu contemples ton âme (Das
Meer ist dein Spiegel. Du schaust der Seele Bildnis) Ein Versuch das eigene
Leben zwischen den Leben anderer Leute zu behaupten. Dans le déroulement
infini de sa lame, (Im weiten
Wellenspiel der unendlichen Wildnis,) Das hier ist eine Ode, eine Ode an
die Lust und an die Freude, eine Ode an das Heranwachsen und an das Grauen. Et
ton esprit n’est pas un gouffre moins amer. (Gleich ihm ist deine Brust von
Bitternis so schwer.) Und meint bloß nicht, dass ich hierzu Etwas zu sagen
hätte! Wir haben doch alle keine Ahnung.
Ma pauvre muse, hélas ! qu’as-tu donc ce matin? Uns treibt die Sehnsucht nach einem Wunder. Einem nicht zu fassenden Wunder, Tes yeux creux sont peuplés de visions nocturnes, einem Wunder, das unsere Vorstellungen übersteigt. Unerbittlich treibt uns der Wunsch nach Wundern, nach der heiligen Einmaligkeit eines höheren, eines größeren Etwas, einem vermeintlichen Sinn hinter dem Sinnlosen. Et je vois tour à tour réfléchis sur ton teint. Der Kopf er schwillt, er schwillt an, bis er zu bersten droht. Gedanken, innen und außen. Der Blick kann sich der helllodernden Flamme nicht entziehen. Gerüche, innen und außen. Mode, die kleidet, Mode, die verliert. Selbstsicher ist nur der Schein, der kurz auflodernd flackernde Schein. La folie et l’horreur, froides et taciturnes. Welche Gräueltaten werden verrichtet, auf der unsicheren Suche nach der Geburt, nach der Geburt eines blutig verschmierten Lebens? Stimmen, innen und außen. Der Zeugung beiwohnen, der Geburt des eigenen Selbst. Das Gefühl des Ichs in der Hand halten, während der eigene Kopf jenes Innen und Außen zu begreifen sucht. Nichts als Gedanken. Wo beginnt das Gegenüber? Wo endet das Selbst? Augen blicken herab, geiernd gierige Augen blicken herab, herab auf das Wunder, auf das Wunder der eigenen Person. Gedanken wie Treibsand, Gedanken wie Treibsand - und Gefühle wie fantastische Oasen in der von Hitze flirrenden Wüste. Ihre Augen, die Augen der Leute, sie folgen der Karawane, die eigenen blicken gen Horizont. Das Lagerfeuer knackt. Lust und Zerstörung und das Gefühl zu leben, zu leben in der Welt der anderen. Die Grenzen des Ichs flackern in denen des Wirs. Nichts als Gedanken, nichts als Gedanken. Der eigene Kopf ein Dreieck und rund ist die Welt. Du sagst: Alles ändert sich. Ja, alles ändert sich. Und ich sage: Ja, genau, alles verändert mich. Die Flamme zuckt, die Lust, sie glimmt. Ich kämpfe nicht mehr gegen die Selbstzweifel an, ... Wenn aus dem Feuer Asche geworden, wenn das Blut getrocknet ist, ... Die Erinnerung ist ein brüchiger Fels im gewaltigen Flusslauf der Zeit. Vor ein paar Jahren sahst du kurze, witzige Filme, verstecktest dich hinter Bauklötzen, verschlangst Süßigkeiten und wusstest, dass die Erwachsenen nicht wirklich wissen, was wichtig ist. Heute weißt du nicht mehr, was Priorität hat, verstehst den Wert nicht mehr und noch weniger das Leben. Aber du bist dir einer Sache bewusst, ganz und gar bewusst, so wie sie, willst du nie werden. Nichts als Gedanken, nichts als Gedanken. Blütenblätter im Frühlingsmorgen, taufrisch im Sonnenlicht des beginnenden Tags. Ein Lächeln. Ein nach Liebe lechzendes Lächeln. Was für ein Wohlgeruch. Lippen öffnen sich, Zungen treffen aufeinander. Zungen treffen aufeinander und reiben sich, wie zwei feuchte, schleimige Nacktschnecken, gegen- und aneinander. Wir wollen Blumen sein und sind doch nur Grashalme im Wind. Grashalme, auf der ewig weiten Wiese des Seins. Wir schmiegen uns aneinander, die Sonne scheint und Wasser fällt vom Himmel. Wir wollen Blumen sein und verteilen unsere Samen mit dem Wind. Irgendwann wird es Herbst werden, Laub auf uns herabfallen, wir werden wittern und welken. Wir wollen Blumen sein und sind doch nur Grashalme.
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