Dienstag, 22. März 2016

(Lückenfüller) Etwas Kontext zur Ratte in Baccano

In der Serie "Baccano!" kommt eine weiße Ratte vor, die mehrfach innerhalb der Handlung auftaucht. Diese weiße Ratte scheint in ihrer Konzeption an eine weiße Maus im Roman "Alle Menschen sind sterblich" von Simone de Beauvoir (1908-1986) aus dem Jahr 1946 angelehnt zu sein. Speziell an den zwei folgenden Zitaten werden die wohl besabsichtigen intermedialen Referenzen deutlich
Im Roman heißt es über diese Maus:  
[Erzählt durch die Figur Fosca:] "'Tankred hat eine weiße Maus.' [...] 'Geh und hole sie.', sagte ich. Sie stand auf und ging. [...] Caterina stellte einen kleinen Holzkäfig auf den Tisch und nahm schweigend ihren Platz wieder ein. 'Jetzt sieh gut her' sagte der Greis. Er öffnete die Flasche, goß ein paar Tropfen des Inhalts in die hohle Hand und ergriff die Maus. Sie stieß einen kurzen Pfiff aus und taucht dann ihr Schnäuzchen in die grünliche Flüssigkeit. [...] 'Jetzt sagte Bartolomeo [der Greis], 'drehe ihr den Hals um.' 'Nein', sagte Caterina. Er gab mir die Maus in die Hand. Sie war warm und lebendig. 'Drehe ihr den Hals um.' Ich preßte die Hand mit Macht zusammen. Die kleinen Knochen krachten. Ich warf den Leichnam auf den Tisch. 'Da.' 'Sieh nur hin', sagte Bartolomeo. 'Sieh nur richtig hin.' Einen Augenblick lang lag die Maus regungslos auf der Seite. Dann erhob sie sich und trottete munter über den Tisch. 'Sie war tot', sagte ich. 'Sie wird nie mehr sterben.'" Aus: Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich. Februar 2012. 40. Auflage. Rowohlt Taschenbuch Verlag. S. 122-124. 
"'Schlafen?' fragte sie [Regine]. 'Nein. Ich kann nicht mehr schlafen.' Er [Fosca] dämpfte seine Stimme. 'Ich leide an Apldruck', sagte er. 'Sie? An Alpdruck?' 'Ich träume, es gibt keine Menschen mehr. Sie sind alle tot. Die Erde ist weiß und starr. Es gibt noch den Mond am Himmel, er scheint auf die weiße Erde. Ich bin allein mit der Maus.' Er sprach jetzt ganz leise, sein Blick war der eines alten Mannes geworden. 'Was für eine Maus?' 'Die kleine Maus, die verdammt ist durch mich. Es gibt keine Menschen mehr, doch sie muß weitertrotten in alle Ewigkeit. Ich habe sie dazu verdammt. Das ist mein größtes Verbrechen.' 'Sie weiß es nicht', sagte Regine. 'Gerade darum. Sie weiß es nicht und trottet ewig umher. Eines Tages sind nur noch sie und ich auf der Erdoberfläche.' 'Und unter der Erde ich', setzte Regine hinzu." Aus: Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich. Februar 2012. 40. Auflage. Rowohlt Taschenbuch Verlag. S. 476.

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