Dienstag, 4. August 2015

bande dessinée: Geister zum Dritten

bande dessinée:
Geister zum Dritten
Über einige nicht realisierte Einträge dieses Blogs
In diesem Beitrag soll es wieder einmal um Vorhaben dieses Blogs gehen, die zwar als mögliche Einträge angedacht gewesen waren, es jedoch nicht weiter als über die Lektüre des jeweiligen Werks und eine erste Recherche für einen potentiellen Beitrag geschafft haben. Im Folgenden werden kurz die jeweiligen Sachverhalte skizziert und hierauf erste Überlegungen vage angedeutet. (Ältere Beiträge: "Geister  1" und "Geister 2".)
Ballads of the Bench and Bar; or, Idle Lays of the Parliament House. (1882)
1. Der erste Band der zweitiligen Comicserie "Die alten Knacker" endet gerade dann, wenn eine Wendung ins Ungewisse die Handlung zu erschüttern droht. Wilfrid Lupano (Autor, 1971-) und Paul Cauuet (Zeichner, 1980-) entwerfen hier eine Geschichte, in der Generationskonflikte und wechselnde politische und soziale Weltanschauungen zwar nicht das Handlungstreibende Motiv sind, aber unentwegt zwischen Bildern der Gegenwart und der Vergangenheit um ihre gegenwärtige Deutung ringen. Die Geschichte dieses Comics mag nicht die aller ausgeklügelste sein, jedoch besticht sie atmosphärisch ungemein, besonders in all jenen Passagen, die gänzlich ohne Worte auskommen.  
Und dieser knappe Eintrag kann diesem Comic keinesfalls gerecht werden, weshalb möglicherweise nach der Veröffentlichung des zweiten Bandes der deutschen Übersetzung - im Februar 2016 - eine ausführliche Besprechung von "Die alten Knacker" auf diesem Blog folgen könnte. 
© Splitter / picti mundi

2. Mit dem Werk "Little Nemo – Rückkehr ins Schlummerland" von Eric Shanower (1963-) und Gabriel Rodriguez (1976-) erschien nun eine Neuinterpretation von Winsor McCaya (1871-1934) "Little Nemo in Slumberland" (1905-1913),  die zugleich eine indirekte Fortsetzung des Comicstrips sein möchte. Seitens der Zeitung Herald Tribune gab es in den Jahren 1924 bis 1927 schon einmal den Versuch "Little Nemo" neuerlich zu verlegen, dieser Anlauf wurde jedoch am 9. Januar 1927 beendet.
Mit den ursprünglichen Comicstrips sowie mit McCay und seinen Zeichentrickfilmen hatte sich dieser Blog bereits im Beitrag "Winsor McCay und sein Comicstrip 'Little Nemo in Slumberland'" beschäftigt. 
Die aktuelle Umsetzung von Shanower und Rodriguez weicht neben der Rahmenhandlung vor allem dadurch vom Klassiker von McCay ab, dass die in den Träumen geschilderten Erlebnisse nicht mehr nur eine Seite umfassen, sondern unterschiedlich umfangreiche Kapitel bilden.




© Carlsen
3. Eigentlich sollte ein Beitrag anlässlich der Veröffentlichung des 75. Bandes von "One Piece" - in deutscher Übersetzung - geschrieben werden, in dem der Fokus auf "One Piece" und dem Mangaka Oda Eiichirō (尾田 栄一郎, 1975-) gelegen hätte. Da jedoch sowohl der Autor und Zeichner als auch seine Mangaserie seit der erstmaligen Veröffentlichung von "One Piece" per­ma­nent medial präsent waren, zuletzt mit dem Eintrag ins "Guinness Buch der Welt Rekorde", soll hierauf verzichtet werden. 
 
4. Der Manga "トウキョウ トライブ" (Tokyo Tribe) von Inoue Santa (井上 三太, 1968-) aus dem Jahr 1993, der in den Jahren 1997 bis 2005 unter dem Namen „Tokyo Tribe 2“ fortgesetzt wurde und in dieser Form ebenfalls eine dreizehnteilige Animeumsetzung von Studio MAD HOUSE erhielt, ist gerade in einer Realverfilmung, die auch den zweiten Ableger der Serie thematisiert, in der dritten Woche als OmU in manchen deutschen Kinos zu sehen.
In dieser Verfilmung von „Tokyo Tribe 2“ treffen klischeehafte amerikanische Musikvorstellungen auf jüngere japanische Comic- und Zeichentrickerzählweisen und versuchen dabei sich gegenseitig zu übertrumpfen. „Tokyo Tribe“ wird hierdurch über die Maßen bizarr, wobei gerade darin seine Komik liegt. Dieser groteske Humor beruht allerdings auf der Dummheit des Übermittelten, was den Film nicht nur humorvoll sondern auch äußerst widerwärtig erscheinen lässt, sowohl während als auch nach dem Sichten.
Überraschenderweise gelingt es „Tokyo Tribe“ dennoch etwas Unerwartetes zu vermitteln, nämlich - in einem anderen Gewand daherkommend- die Probleme die viele Animetitel derzeit habe zu offenbaren. Neben schlechten Computeranimationen, die einfach nur lächerlich wirken, und übertriebenem Fanservice, sei es die Sexualisierung der Protagonisten oder gehäufte und dabei belanglose Gewaltdarstellungen, die keinerlei Funktion in der Handlung haben, sind es auch Erzählstränge, von denen behauptet wird, dass sie wichtig seien, aber eigentlich völlig ins Leere laufen und nicht einmal dazu dienen können, flache Stereotype auch nur interessant wirken zu lassen. Dementsprechend werden nur vage angedeutete Liebesbeziehungen, Motivationen der Figuren oder sinnlose intermediale und religiöse Verweise nach ihrem ersten Abbilden im weiteren Fortgang des Filmes völlig missachtet. Dies alles wird gemeinsam mit unlogischen Handlungssprüngen sowie altbekannten und den inzwischen komplett vorhersehbaren Persönlichkeitstypen der Figuren und den Wendungen innerhalb einer gänzlich unkomplizierten Handlung von schillernden Farben und eingängiger musikalischer Untermalung überdeckt, welche bei genauerer Betrachtung häufig deplatziert oder zumindest nicht glücklich gewählt sind. (Überdies weicht das Übersetzte in den Untertiteln, weil es an ein bestimmtes intendiertes Publikum gerichtet ist, doch ab und an ziemlich vom Gesagten ab.)


Falls es die Realverfilmung von „Tokyo Tribe 2“ jedoch darauf angelegt hat eine Persiflage der Schwächen jüngerer Animetitel zu sein, könnte sie als mehr oder weniger gelungen gesehen werden und nicht als tumb und krude, wie sie sonst erscheinen muss. 
Dieser Bericht ist deshalb unter der Blogrubrik "Geister" gelandet, da für seine Fertigstellung fast nicht recherchiert worden ist, weder wurde der Manga, noch die Animeserie oder aber ein anderer Film von Sono Sion (園 子温 [Sono Shion], 1961-) hierfür gesichtet. Aber bereits an der Filmvorschau seines Filmes "Love Exposure" lassen sich reichlich Gemeinsamkeiten feststellen. 

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