Dienstag, 17. März 2015

bande dessinée: In schlechter Verwandtschaft?

bande dessinée: 
In schlechter Verwandtschaft?
Am 05. März 2015 erschien der neuste Band der Abenteuer Lucky Lukes: "Meine Onkel, die Daltons". Gezeichnet wurde dieser Band von Achdé (1961-), geschrieben von Laurent Gerra (1967-) sowie von Jacques Pessis (1950-) und übersetzt von Klaus Jöken.  
Die erste Geschichte um den einsamen Cowboys, die von Morris (Maurice de Bevere, 1923-2001) geschaffen worden ist, wurde anno 1946 publiziert. Ab dem Jahr 1955 schrieb die Texte zu den Abenteuern Lucky Lukes nicht mehr Morris selbst, sondern René Goscinny (1926-1977); Morris konzentrierte sich stattdessen verstärkt auf die Zeichnungen. Nach dem Ableben Goscinnys im Jahre 1977 wechselten die Autoren der Serie mehrfach, Morris arbeitete allerdings bis zu seinem Tod 2001 beständig weiter an seinem Werk. 2002 wurde dann der letzte Band aus der Feder von Morris veröffentlicht. Im Jahr 2004 wurde der erste Band von Achdé und Laurent Gerra unter dem Titel "Schikane in Quebec" (La Belle Province) veröffentlicht.
Die Gebrüder Daltons sollen sich in "Meine Onkel, die Daltons" um ihren Neffen und dessen Erziehung kümmern. Da die vier Brüder jedoch wieder einmal im Zuchthaus sitzen, werden sie in den offenen Strafvollzug entlassen. In der Zeit, in der sie sich nicht im Gefängnis aufhalten, wird Lucky Luke gebeten sich der Daltons anzunehmen.  
Richard Harding Davis: The West from a Car-Window [...] Illustrated (1892).
Diese unter Band 93 veröffentlichte Geschichte um den Mann, der schneller zieht als sein Schatten, ist insgesamt das 79. Abenteuer von Lucky Luke.  "Meine Onkel, die Daltons" erinnert an den Lucky-Luke-Band 72 "Marcel Dalton", nur dass das Szenario in ebendiesem Band genau umgekehrt ist, ferner werden aber auch Motive, die typisch für die Comics des einsamen Cowboys sind, in diese Geschichte integriert. Beispiele hierfür sind: Ein verzehrtes Stückseife, der Versuch eines Gefängnisausbruchs vermittels eines Löffels oder Rantanplans beharrliches Missverstehen. Die neukonzipierte Figur des Neffen verfügt über eine Mischung der charakteristischen Eigenschaften von Joe und Averell Dalton und ist hierdurch nur mäßig originell. Dagegen sind Ignoranz und Vorurteile von Teilen der Gesellschaft gegenüber Fremden beziehungsweise stigmatisierten Personen in "Meine Onkel, die Daltons" trefflich geschildert und verweisen darüber hinaus auch auf gegenwärtige Sachverhalte. Ebenda wäre, wie es etwa in den Spirou-Bänden üblich ist, eine kurze Erläuterung zu Referenzen und Verweisen, die in diesem Comic gemacht werden, hilfreich gewesen, da in einem nicht französischsprachigen Land nicht alle verwendeten Bezüge sofort offensichtlich sind.
Die Zeichnungen gleichen weitestgehend denen von Morris, was schon bei den letzten fünf Bänden ersichtlich war. Was aber in diesem Band heraussticht, ist der Umstand, dass die Bilder und die Bewegungen der Figuren an eine filmische Bildsprache denken lassen. Diese filmische Bildsprache ist vor allem auf den Seiten 15 und 16 dieses Bands ersichtlich. "Meine Onkel, die Daltons" ist sowohl als Hard- als auch als Softcover beim Ehapa-Verlag erhältlich.

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Bei dem in diesem Beitrag verwendeten Video handelt es sich um ein Video aus dem Youtubekanal von Clipfish. Das gemeinfreie Bild entstammt der Seite The British Library.
 

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