Dienstag, 17. Februar 2015

漫画 (Manga): Werbestrategien deutscher Mangaverlage

漫画 (Manga):
Werbestrategien deutscher Mangaverlage
Das Beispiel TOKYOPOP und KAZÉ
Herrschen hier schlicht Angebot und Nachfrage? Wohl kaum, denn es geht nicht nur darum, Zeichnungen hier oder dort zu erwerben, sondern um einzelne spezielle Produkte, die von nur wenigen Verlagen im deutschsprachigen Raum überhaupt angeboten werden, hier besteht im Grunde ein Oligopol. Wenn es um einen konkreten Titel geht, stellt sich dann schon einmal die Frage, ob er überhaupt in einer Übersetzung erhältlich ist und wenn ja, sind es beinahe ausnahmslos - zumindest für einen Sprachraum - Monopole, die seitens der Verlage bestehen. Da jedoch meistens - jedenfalls vor dem Beginn einer Lektüre - der Leser oder die Leserin noch nicht weiß, was denn das Nachfolgewerk sein soll, greifen an ebendieser Stelle doch wiederum ganz gewöhnliche Markt- und somit auch Werbemechanismen. 
zeno
Wie kann sich also ein Verlag, der japanische Comics in Deutschland publik macht, gegen andere Verlage, die ihrerseits selbiges tun, positionieren? Sicherlich gibt es hierfür nicht die einheitliche, allumfassende Antwort. Dennoch sollen hier einige Aspekte, die die direkte Werbung der jeweiligen Verlage prägen, benannt werden. Im Falle dieses Beitrags werden die Verlage KAZÉ und TOKYOPOP etwas genauer betrachtet. 
Zuvörderst fällt auf, dass deren jeweilige Sortimente durchaus divergent sind und die beiden Verlage sie dergestalt an verschiedene Zielgruppen adressieren. 
Bei TOKYOPOP lässt sich feststellen, dass gerade zuletzt beim Werben für neue Titel stark auf diejenigen gesetzt worden ist, deren Animeserien äußerst erfolgreich gewesen waren und zwar nicht nur in Japan. Hierdurch ist selbstverständlich das Wissen über diesen Manga bereits bei den Konsumenten vorhanden und möglicherweise auch der Wunsch nach diesem, was vor allem dadurch ersichtlich wird, dass TOKYOPOP nicht nur Mangas, sondern auch die entsprechenden Light-Novelserien ebenfalls übersetzt und somit dem deutschen Publikum zugänglich gemacht hat. Natürlich ist zu fragen, ob es überhaupt Animeumsetzungen mancher Werke gegeben hätte, wenn sich nicht bereits der Manga gut verkauft hätte und dies muss man, spätestens nach der Lektüre von "Bakuman." in jedem Fall verneinen, aber es handelt sich hier nicht um den japanischen, sondern den deutschen Markt. Was heißen soll, dass dadurch, dass bei jenen Titeln mit Animeumsetzungen, diese überwiegend schon ausgestrahlt wurden oder noch werden, wenn die Mangas in deutscher Übersetzung erscheinen. Dies gilt vor allem unter dem Gesichtspunkt der zunehmenden Aktualität der japanischen Erstausstrahlungen.
TOKYOPOP bewirbt diese Mangaserien allerdings öffentlichkeitswirksam auch derart, dass sie möglichst viele Rezipienten erreichen. Die Programme mit den Neuankündigungen sind demnach mit dem vielversprechendsten Titel auf der Vorderseite und einem Poster desselben Titels versehen. Im Programm vom Dezember 2014 bis März 2015 war dies "Terra Formars" und im aktuellen Programm April bis Juli 2015, welches seit dem 12. Februar beim Händler vor Ort ausgelegt ist, ist dies "Kill la Kill".
Zudem erhalten solche Titel nicht nur eine online Leseprobe, wie alle anderen Serien, die im Programm von TOKYOPOP erhältlich sind, sondern auch eine gedruckte Leseprobe, die an die jeweiligen Händler verteilt wird und dort seitens der Leserinnen und Leser kostenfrei mitgenommen werden kann. Auch bei der Wahl dieser Titel finden sich einige beliebte Animeserien. Bei den letzten sechs gedruckten Leseproben, wiesen immerhin vier von ihnen eine bekannte filmische Fernsehadaption auf.
© TOKYOPOP / picti mundi

Darüber hinaus hat TOKYOPOP gezielt Werbung für seine relevanten Zielgruppen außerhalb der eigentlichen Vertriebswege platziert und zwar durch die Benutzung von medialen Einblendungen beispielsweise bei "Ninotaku TV" auf Youtube. Für die Titel "Tales of Symphonia" im Beitrag vom 11.02.2015 und "Servamp" im Beitrag vom 28.01.2015 und vom 04.02.2015.

Der Verlag KAZÉ, der nicht nur Mangas, sondern auch Animes vertreibt, besitzt von vornherein damit einen anderen Marktzugang. Was unter anderem am eigenen Youtubekanal und dem Werben mittels kurzer Videos für ihr Programm, etwa dem für den Titel "Übel Blatt", ersichtlich ist.
Im Gegensatz zu den Leseproben der anderen deutschen Verlage wird die "KAZÉ MANGA REVIEW" in Mangaform herausgegeben und ist gleichzeitig das Verlagsprogramm für einen bestimmen Zeitraum. Somit ist die Programmbekanntgabe KAZÉs viel umfangreicher als die Vorschau anderer Verlage, etwa des Carlsen Verlags oder EGMONT MANGA, bei denen nur bis zu zwei Seiten einer Serie abgedruckt werden. Die "KAZÉ MANGA REVIEW" enthält nahezu immer ein Kapitel des jeweiligen Mangas und ermöglicht es somit der Leserschaft bereits die von ihnen neuvertriebene Serie anzulesen. Überdies sind sie aufgrund ihres Taschenbucheinbands und ihres Formates darauf ausgelegt, schließlich im Regal der Leser und Leserinnen zu verweilen.
© VIZ Media Switzerland SA. / picti mundi
Doch zeigt sich bei der Wahl der Titel ebenfalls ein Fokus auf Mangaserien, die als Anime ausgestrahlt wurden oder werden, in jüngerer Zeit waren dies die Serien "Tokyo Ghoul", "NISEKOI" und "MAGI". Bei diesen Serien besitzt KAZÉ zugleich auch die Animerechte, sodass die Werbemaßnahmen für den Manga zeitgleich auch dem Anime zugutekommen können oder umgekehrt. 
© VIZ Media Switzerland SA. / picti mundi
Wie eigentlich alle deutschen Mangaverlage drucken KAZÉ und TOKYOPOP in ihren Einzelbänden im Anhang zudem kurze Angaben und Abbilungen anderer Titel ihres Programmes, die dem jeweiligen Werk, welches der Leser gerade liest, ähneln.  
Darüber hinaus sind beide Verlage in den sozialen Netzwerken aktiv und deren Newsletter können auch via Email abonniert werden.

Ob dieses Vorgehen sich positiv auf die Verkaufszahlen auswirkt kann und soll hier nicht behandelt werden. Vielmehr handelt es sich hierbei jeweils um ganz gewöhnliche Marktpositionierungsversuche der Verlage und gleichzeitig um eine gute Informationsquelle für die jeweilige Leserschaft, die mitunter aber auch zu einer Art von Kanonbildung beitragen kann. Ein gewisser Kanon wird jedoch bereits durch die limitierte Übernahme von extra ausgewählten Titeln der japanischen Werke vorgenommen.  

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