Dienstag, 25. November 2014

アニメ (Anime): 
Studio Ghiblis "Die Legende der Prinzessin Kaguya" 
Das neuste Werk des Studio Ghiblis (スタジオジブリ) ist eine neue Umsetzung einer etwa aus  dem 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung stammenden japanischen Erzählung. 
© Universum Film
Diese Erzählung trägt den Namen die "Geschichte vom Bambussammler" (Taketori Monogatari, 竹取物語) oder auch die "Geschichte der Mondprinzessin" (Kaguya-hime no Monogatari, かぐや姫の物語). Sie gilt als die älteste überlieferte japanische Vertreterin der Monogatarierzählungen. Unter der Sammelbezeichnung Monogatari wurden in Japan ungefähr zwischen dem zehnten und dem fünfzehnten Jahrhundert literarische Erzählungen summiert, die auf nicht realen Ereignissen beruhen.
Kaguyahime auf dem Weg zum Mondpalast (1888)
Mangas und Animes bedienten sich des Öfteren am Stoff dieser romanhaft fiktionalen Erzählung, sei es in Form einer direkten Adaption des Stoffes um den Bambussammler und die Mondprinzessin oder durch zitierte Elemente und Textpassagen. Doch durchziehen die Motive aus dieser Erzählung die japanische Kunst schon länger und dies auch beständig. Was unter anderem an Holzschnitten aus dem 17. Jahrhundert von Tosa Hirosumi (土佐広澄) und Tosa Horomichi (土佐広通) oder aus dem 19. Jahrhundert von Tsukioka Yoshitoshi (月岡 芳年, 1839-1892) ersichtlich wird.
Taketori Monogatari (etwa 1650)
Die letzte größere Filmumsetzung der Erzählung wurde unter dem Direktor Ichikawa Kon (市川 崑, 1915-2008) und dem Produzenten Nagata Masaichi (永田 雅一, 1906-1985) durch das Filmstudio Tōhō im Jahre 1987 realisiert. Diese etwa zwei Stunden messende Realverfilmung mit dem Titel Taketori monogatari (竹取物語) erhielt drei Preise und noch mehr Nominierungen des Japans Akademie Preis (Nippon Akademī-shō, 日本アカデミー). 


Die aus dem vergangenen Jahr stammende Umsetzung der Erzählung um den alten Bambussammler, seine Frau und die Mondprinzessin des Studio Ghibli (スタジオジブリ) ist derzeit und zwar seit dem 20. November 2014 unter dem Titel "Die Legende der Prinzessin Kaguya" (Kaguya-hime no Monogatari, かぐや姫の物語) in den deutschen Kinos zu sehen. Sie ist das Werk des japanischen Filmregisseurs Takahata Isao (高畑 勲, 1935-), der gemeinsam mit Miyazaki Hayao (宮崎 駿, 1941-) und der Produktionsfirma Tokuma Shoten einer der Gründer des Studio Ghiblis ist. 
© Universum Film

Der Anime von Takahata handelt davon, wie auch die ursprüngliche Erzählung, dass ein alter, armer Bambussammler in einem Bambushain einen leuchtenden Bambus entdeckt. Dieser leuchtende Bambus markiert die Stelle, an welcher er sodann eine Frau finden soll, die so klein ist, dass sie in seine Händen passt. Er nimmt sie heim zu sich und zeigt sie seiner Frau, doch als seine Frau diese kleine Person berührt, verwandelt sie sich in ein Baby. Dieses ihnen zugesandte Kind ziehen die beiden alten Leute nun bei sich auf. Sie müssen allerdings recht schnell erkennen, dass das junge Mädchen, welches durch sie gefunden und aufgenommen wurde, nicht ganz normal ist, denn das Baby wächst schubweise und rasant erst zu einem Kleinkind und alsbald zu einem jungen Mädchen heran. 
© Universum Film

Durch die vermeintliche Hilfe des Himmels erlangen der Bambussammler und seine Frau überraschend großen Reichtum, was den einstigen Bambussammler dazu bewegt in die Stadt zu ziehen und seine Adoptivtochter als feine Dame erziehen zu lassen. Die Anmut und Schönheit der heranwachsenden jungen Frau, die den Namen Kaguya erhält, verzückt - schon allein vom Hörensagen - viele Edelleute, die hierauf um sie werben. Um nicht verheiratet zu werden, was Kaguya nicht als erstrebenswert erachtet, fordert sie von den um sie buhlenden Edelleuten, dass sie ihr die von ihnen im Vergleich mit ihr und ihrer Schönheit beschriebenen Schätze bringen. Was aufgrund der Seltenheit der Schätze, die allesamt legendäre Kostbarkeiten sind, mehr als nur schwierig ist und abenteuerliche Ereignisse mit sich zieht. 
 
© Universum Film

Die Bilder dieses Animes sind an alte japanische Wasserfarben- und Tuschemalereien angelehnt und erzeugen eine eindrückliches und äußerst ergreifendes Filmerleben, welches so vom Studio Ghibli bisher nicht umgesetzt worden ist und mitunter in den Landschaftsdarstellungen am Deutlichsten wird. Takahata schafft es in diesem Film kontrastiv - aber auch bewusst zugespitzt - zu zeigen, was Armut und Reichtum im Japan älterer Tage für die Individuen bedeutete, doch erzählt er mit diesem Anime auch von der Entwicklung von Kindern, der Einflussnahme von Eltern auf ihren Nachwuchs, von Abenteuern und von unerfüllter Liebe. Dem Film "Die Legende der Prinzessin Kaguya" gelingt es auf verschiedensten Ebenen bewegend zu sein und so zeitgleich Freude, Trauer und Rührung zu übermitteln.
© Universum Film
© Universum Film 
Die beiden Mitbegründer des Studio Ghibli, die im letzten Jahr ihren Rücktritt von der Leitung der Produktionsarbeiten des Filmstudios und ihren Eintritt in den Ruhestand vollzogen, legten in Japan im gleichen Jahr (2013) noch jeweils einen neuen Film vor. Im Falle von Miyazaki war dieser Film, der bereits im Juli diesen Jahres in den hiesigen Kinos ausgestrahlt wurde, "Wie der Wind sich hebt" (Kaze Tachinu, 風立ちぬ) und bei Takahata ist es "Die Legende der Prinzessin Kaguya".
 
© Universum Film 
Mit diesem Anime wird von Takahata Isao nach einer annährend fünfzehnjährigen Pause, die seit seinem Film "Meine Nachbarn die Yamadas" (1999) bestand, abermals einer seiner Filme auf den Leinwänden der Lichtspielhäuser gezeigt. Takahata ist vor allem - neben den Werken, die er gemeinsam mit Miyazaki schuf - für seinen Anime "Die letzten Glühwürmchen" (1988) bekannt. Bei dem Werk "Die letzten Glühwürmchen" handelt es sich um eine zeichnerische Realisierung des von Nosaka Akiyuki (野坂 昭如,1930-) stammenden Romans „Das Grab der Leuchtkäfer“ (1967), welches 1992 in seiner deutschsprachigen Übersetzung bei Rowohlt erschien.

Um die erstmaligen Kinovorführungen dieser beiden japanischen Zeichentrickfilme in Deutschland wurde das "Studio Ghibli Film Festival" von Universum Film in einunddreißig Städten zu unterschiedlicher Zeit veranstaltet. Während des Festivals wurden sieben Filme gezeigt: "Mein Nachbar Totoro", "Meine Nachbarn die Yamadas", "Porco Rosso", "Chihiros Reise ins Zauberland", "Das wandelnde Schloss", "Ponyo – Das große Abenteuer am Meer" und "Wie der Wind sich hebt". (In Kassel, Köln, Münster und Oberhausen ist das "Studio Ghibli Film Festival" bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht gestartet.) 
 © Universum Film
Während hierzulande noch die Ghiblifilme aus dem letzten Jahr in ihrer deutschen Synchronfassung vorgeführt wurden und werden, lief in Japan am 19. Juli der Anime Omoide no Marnie (思い出のマーニー) in den Lichtspielhäusern und am 11. Oktober beim japanischen Fernsehsender NHK BS Premium eine Adaption von Astrid Lindgrens (1907-2002) "Ronja Rövardotter" als Serie unter dem Name "Sanzoku no Musume Rōnya" (山賊の娘ローニャ) an. Diese Animeserie wurde durch die Zusammenarbeit von Polygon Pictures mit dem Studio Ghibli geschaffen. Die Leitung hatte Miyazaki Gorō (宮崎 吾朗, 1967-), der Sohn Miyazaki Hayaos, der bereits die Regie bei den Ghiblifilmen "Die Chroniken von Erdsee" (ゲド戦記, 2006) und "Der Mohnblumenberg" (コクリコ坂から, 2011) inne hatte. Bei "Sanzoku no Musume Rōnya" handelt es sich um das erste computeranimierte Werk, bei dem das Studio Ghibli beteiligt war.

 
© Studio Ghibli und Polygon Pictures
Der Anime "Omoide no Marnie" wurde unter der Leitung von Yonebayashi Hiromasa (米林 宏昌, 1973) produziert und basiert auf der von Joan G. Robinson geschriebenen Geschichte "When Marnie Was There".
 © Studio Ghibli
"Omoide no Marnie" wird vorerst der letzte Ghiblifilm sein, da - wie der Hauptgeschäftsführer des Studio Ghiblis Suzuki Toshio (鈴木 敏夫, 1948-) es formulierte - ein großer struktureller Wandel innerhalb des Studios vollzogen würde und es deswegen eine Pause geben solle. Näheres hierzu ist aber bisher noch nicht bekannt gegeben worden.






_____ 
Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder sind entweder gemeinfrei oder ihr Copyright wurde kenntlich gemacht, im Falle von Universum Film entstammen die Bilder und Videos den offiziellen Seiten. 

1 Kommentar:

  1. Seit 24. April 2015 ist "Die Legende der Prinzessin Kaguya" bei universum anime auf Blu-ray und DVD erhältlich. Link: http://www.universumanime.de/filme/133607/die-legende-der-prinzessin-kaguya.html

    AntwortenLöschen